Donnerstag, 8. Mai 2014

So Eine Sauerei mit den Bankenprüfern!

"Die Vorgehensweise der FMA sei „eine Sauerei“, die er, Pröll, sich nicht gefallen lasse; Pribil habe es allein der ÖVP zu verdanken, dass er in der Notenbank sitze, ohne Partei wäre er „nichts“. Pribil stand auf, um Pröll zu beruhigen, was diesen allerdings noch mehr aufbrachte. Pröll drohte: Er werde dafür sorgen, dass Pribil nicht mehr lange in der Notenbank sitze; und überhaupt werde er dafür sorgen, dass Pribil und Helmut Ettl (FMA-Vorstand seit 2008) in diesem Land keinen Job mehr bekämen".

Der NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll verliert laut PROFIL seine Geduld, weil ein Bankenprüfer persönliche Undankbarkeit an den Tag legt.

Samstag, 12. April 2014

Das Keynesianische Endspiel: Wieviel Schulden Erträgt Ein Staat?

Nach der Lehre der reinen Vernunft ist es denkunmöglich, dass Staaten sich quasi unbegrenzt verschulden können. Nach der Lehre der Praxis ist das gar nicht ganz auszuschließen. Sicherlich nicht unbegrenzt, aber möglicherweise noch sehr, sehr lange. Alles hängt von der wahrgenommen Verschuldungskapazität eines Staates ab.

Jeder Kreditnehmer – sei es eine Privatperson, ein Unternehmen oder ein Staat – hat eine maximale Verschuldungskapazität. Das Problem ist nur, dass man diese maximale Verschuldungskapazität im Vornherein nicht kennt, sondern sie erst erfährt, wenn man sie überschreiten möchte. Bei Privatpersonen und Unternehmen ist dies einfacher, weil der Kreditnehmer in Gesprächen mit seiner Bank erfährt, wieweit die Bank bereit ist, ihn zu finanzieren. Anhand von Bilanzen, G+V Rechnungen und/oder Haushaltsbudgets kann die Bank kalkulieren, wie viele Schulden der Private oder das Unternehmen bedienen kann ohne pleitezugehen. Irgendwann kommt der Punkt, wo die Bank sagt „bis hier her und nicht weiter“ und der Kreditnehmer muss sich anpassen.

Anders ist es bei Staaten. Staaten sind souverän und können de jure nicht pleitegehen. Firmen und Private können Insolvenz anmelden; Staaten können das nicht (mögliche Ausnahme: ein Régimewechsel à la Zarenreich/Sowjetunion). Griechenland und griechische Steuerzahler wird es immer geben. Sollte sich der Rest der Welt weigern, den Griechen Schulden zu erlassen, dann bleiben diese Schulden auf ewig aufrecht. Sollte Griechenland sich weigern, diese Schulden zu bedienen, dann bleibt es auf ewig von der internationalen Finanzwelt ausgeschlossen. Nur ein einvernehmlicher Schuldenerlass kann dieses Problem lösen.

Im Gegensatz zu Privaten und Unternehmen gibt es bei Staaten keine empirische Grundlage, die maximale Verschuldungskapazität zu errechnen (weil ein Staat nicht pleitegehen kann). Die Frage bei Staatsschulden ist nicht, ob zukünftige Generationen damit belastet werden, sondern wie viele. Zukünftige Generationen wird es immer geben. Im Laufe der Zeit hat sich die Kennziffer „Staatsschulden als Prozent der Wirtschaftsleistung“ als Messlatte etabliert. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: es gibt keine empirische Grundlage, auch nicht Rogoff & Reinhart, die diese Messlatte glaubhaft belegen könnte. Es gibt nur eine „vergemeinschaftete Erkenntnis der Märkte“, wie hoch diese Kennziffer werden kann, bevor es Probleme gibt.

Als Bruno Kreisky Bundeskanzler wurde, hatte meiner Erinnerung nach Österreich eine Staatsverschuldung im einstelligen Bereich (Prozent der Wirtschaftsleitung). Als sich Kreisky in Richtung 25% bewegte, warnten fiskalpolitische Experten vor einem Bankrott Österreichs. Maastricht erhöhte diese „vergemeinschaftete Erkenntnis“ auf 60%. Seit Griechenland liegt sie nunmehr bei 120%. Japan liegt irgendwo um die 200%.

Angenommen, eine Höhere Gewalt hätte Anfang der 1970er Jahre festgelegt, dass eine Staatsverschuldung unter Androhung von Besatzung dieser Höheren Gewalt 60% nicht überschreiten darf. Dann hätte Kreisky gewusst, wie hoch seine verbleibende Verschuldungskapazität ist (vom einstelligen Bereich auf 60%, plus Wirtschaftswachstum). Die Frage wäre lediglich gewesen, ob man diese Verschuldungskapazität innerhalb einer Generation aufbraucht oder sie auf mehrere verteilt. Nach Erreichen der Verschuldungskapazität wären zusätzlich Schulden mit dem Wirtschaftswachstum limitiert. Gut für die erste Generation; schlecht für die nächsten. Es gibt KEINERLEI Grundlage zu widerlegen, dass die „vergemeinschaftete Erkenntnis“ über die maximale Staatsverschuldung in Zukunft einmal als 500% (oder auch mehr) wahrgenommen werden könnte. Fiskalpolitiker werden argumentieren, dass der Zinsaufwand die Budgeteinnahmen ‚auffressen‘ würde. Macht nichts. Man nimmt einfach neue Schulden auf, weil man noch weit von den 500% (oder mehr) entfernt ist.

Keynes‘ Antwort darauf war – sinngemäß – „in the long run we are all dead“. Dieser “long run” kann sehr, sehr lange sein und deswegen erscheint es etwas vermessen, schon jetzt über ein keynesianisches Endgame zu sprechen. Außerdem verbleibt noch ein sehr wirksames Instrument (das wir derzeit nur seinenAnfängen kennenlernen), dem „long run“ entgegenzuwirken. Keynes nannte es die „euthanasia of the rentier“. Heute wird es „financial repression“ genannt. Auf gut Deutsch: eine negative Realverzinsung des Kapitals.

Die USA haben sich eines Großteils ihrer kriegsbedingten Staatsverschuldung nach dem 2. Weltkrieg nicht durch Wirtschaftswachstum, sondern durch „financial repression“ entledigt. Jahrelang wurde das Kapital negativ verzinst. Wir erleben heute die Wiederholung dieses Prozesses, wir können aber kaum etwas dagegen tun. Wir werden zwar nach wie vor auf lange Sicht alle tot sein, aber bis es soweit kommt, werden die Sparer um Einiges ärmer werden. 

Originalveröffentlichung hier

Exclusiv: Der Erste Eurobond Ist Da!

Griechenland hat erfolgreich einen 5-Jahresbond über 3 Mrd.EUR begeben. Finanzminister Stournaras äußerte sich diesbezüglich folgendermaßen: „Die Finanzmärkte haben auf deutlichste Art und Weise zum Ausdruck gebracht, dass sie Vertrauen in die griechische Wirtschaft haben; Vertrauen in Griechenlands Zukunft. Sie beweisen ihr Vertrauen, dass Griechenland die Krise bewältigen wird und sie tun das wesentlich früher als erwartet“.

Man hätte das auch anders formulieren können. Zum Beispiel: „Die Finanzmärkte haben auf deutlichste Art und Weise zum Ausdruck gebracht, dass sie Vertrauen in die Fortsetzung der Euro-Rettungspolitik haben. Sie beweisen ihr Vertrauen, dass die EU auch in Zukunft die Steuerzahler zwingen wird, die Finanzmärkte zu retten und man fragt sich, warum die Finanzmärkte nicht schon früher draufgekommen sind".

Originalveröffentlichung hier.

Montag, 7. April 2014

Untersuchungsausschuss für die HypoAlpeAdria?

Bei der Frage eines Untersuchungsausschusses zur HypoAlpeAdria geht es nicht darum, Schuldige zu finden. Stattdessen sollte es darum gehen, Transparenz zu schaffen. Die HAA kostet die Steuerzahler viel Geld. Die Steuerzahler haben einen Anspruch auf Transparenz.

Wenn man außer Zweifel stellt – wie das jetzt viele tun –, dass die Bayern im Dezember 2009 glaubwürdig damit drohen konnten, die Bank in die Insolvenz zu schicken, dann hat man eine grundfalsche Prämisse geschaffen, auf der sämtliche Folgefehler basieren. Die BayernLB konnte damals zwar mit einer Insolvenz drohen, glaubhaft konnte sie dies jedoch mit Sicherheit nicht tun! Vielmehr: niemand konnte im Dezember 2009 glaubhaft mit einer Insolvenz drohen, auch nicht die Republik Österreich, weil jeder wußte, dass eine Insolvenz inmitten größter Nervosität auf den Finanzmärkten unvorhersehbare Folgewirkungen haben würde.

Um dies zu verdeutlichen, erinnere ich an einen kurzen Blog Post von Prof. Paul Krugman vom 15. April 2009. Prof. Krugman stellte dort die Frage: „Is Austria doomed?“ Basierend auf Daten des IWF behauptete Krugman, dass das Osteuropa-Engagement österreichischer Banken „off the chart“ sei und dass Österreich eine gewaltige Krise bevorstehe. Krugman’s kurzer Blog Post schlug auf den Märkten ein wie eine Bombe. Ein Run auf Österreichs Banken war im Entstehen. Dominique Strauss-Kahn, damals Chef des IWF, musste eiligst nach Wien fliegen und sich öffentlich entschuldigen, dass die IWF Daten, die Krugman verwendet hatte, fehlerhaft waren. Man müsse sich um Österreich keine Sorgen machen. Soviel zur damaligen Nervosität auf den Finanzmärkten.

Die BayernLB ist de fakto eine Staatsbank und mit zahlreichen Tochtergesellschaften in der ganzen Welt vertreten. Jeder Handelspartner jeder dieser Tochtergesellschaften geht davon aus, dass hinter der jeweiligen Tochtergesellschaft die konsolidierte Bonität der BayernLB steht (und letztendlich der Freistaat Bayern als Haupteigentümer). In Einzelfällen bestätigt die BayernLB via Patronatserklärungen und/oder Letters of Comfort, dass sie „in Höhe ihrer Anteilsquote dafür Sorge tragen wird, dass die Tochergesellschaft ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllen kann“. Details sind im Geschäftsbericht der Bayern LB zu finden.

Man möge sich folgende Schlagzeile in internationalen Medien am 14. Dezember 2009 vorstellen: „BayernLB schickt ihre größte Tochtergesellschaft, an der sie mit 67,08% beteiligt ist, in Konkurs!“ Die BayernLB und der Freistaat hätten postwendend wesentlich größere Probleme gehabt, als nur die HAA!

Die Ausfallshaftungen Kärntens spielten im Dezember 2009 bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Auch ohne diese Ausfallshaftungen hätte man eine Einigung verhandeln müssen, weil es damals vorrangig nicht um eine mögliche Insolvenz Kärntens ging, sondern um eine mögliche, weltweite Finanzkrise ungeahnten Ausmaßes. In einer solchen Finanzkrise hätte eine Insolvenz Kärntens kaum Schlagzeilen gemacht.

Der Grundfehler passierte in der Nacht auf Montag, 14. Dezember 2009. Die Bayern waren angereist mit einem entweder/oder Ultimatum: entweder übernimmt die Republik die HAA oder diese wird von den Bayern fallen gelassen. Das ist eine legitime Verhandlungsposition. Nicht legitim ist jedoch, dem Partner einen Kauf aufzuzwingen, wenn dieser nicht wissen kann, welche Risiken er kauft. Das ist als sittenwidrig zu werten. Und extrem ungeschickt ist es, wenn dieser Partner den Bluff nicht erkennt.

Richtig wäre gewesen, das Ultimatum der Bayern zu akzeptieren, es jedoch mit der Verpflichtung beider Seiten zu verbinden, am Ende einer Prüfungsperiode (5-10 Jahre) den Gesamtschaden zu teilen. Ein möglicher Verteilungsschlüssel wären die Eigentumsprozentsätze gewesen (Bayern 67,08%; Österreich 32,92%). Um diesen Verteilungsschlüssel hätte man eine ganze Nacht streiten sollen; nicht über ein entweder/oder.

Stattdessen hat man nicht nur unnötigerweise der BayernLB ein Riesenproblem abgenommen, sondern man hat ihr zusätzlich ein Mitspracherecht bei zukünftigen, maßgeblichen Entscheidungen eingeräumt. Der ehemalige Finanzminister und Vizekanzler Österreichs, Dr. Hannes Androsch, nannte dies trefflicherweise „kein optimales Verhandlungsergebnis“. Finanzminister Spindelegger parliert über die gute Verhandlungsposition, in der er jetzt die Republik gegenüber den Bayern sieht. Er erkennt nicht, dass er sich in eine Bittstellerrolle hineinmanövriert hat: er und die Regierung haben sich für eine Bad Bank Lösung entschieden, die bis September umgesetzt werden muss. ABER: umgesetzt kann sie nur werden, wenn die BayernLB dem zustimmt. Welche dieser beiden Verhandlungspositionen erscheint günstiger?



PS: ich war in den 2000er Jahren Deutschland-Geschäftsführer der RLB-OÖ mit Sitz in München. In unserem OberösterreichHaus führten wir auch ein Kellerrestaurant. Die Zentrale der BayernLB war gegenüber an der Brienner Strasse und ich hatte deren Vorstände des öfteren zu Gast. Ich konnte hautnah Agonie und Ekstase miterleben: Agonie, als der BayernLB die BAWAG durch die Lappen ging. Ekstase, als man mit der HAA eine ‚noch viel bessere Bank‘ gefunden hatte. Agonie, als sich herausstellte, dass die HAA ein Milliardengrab war. Und dann die Ekstase, dass man dieses Problem so einfach loswerden konnte.

PPS: Jörg Haider hatte die BayernLB  beim Verkauf der HAA buchstäblich über den Tisch gezogen. Im Dezember 2009 haben sich die BayernLB und der Freistaat Bayern erfolgreich revanchiert.

Dienstag, 25. März 2014

Rettet die Bayerische CSU jetzt Michael Spindelegger?

Finanzminister Spindelegger ist von Mal zu Mal mehr erschüttert. Zunächst war er sehr erschüttert, als er ohne jegliche Vorwarnung das erfuhr, was alle außer ihm ohnehin seit langem wussten: nämlich, dass die HAA für die Bilanz 2013 wieder Geld braucht. Und kürzlich war er dann ganz am Boden zerstört, als sich herausstellte, dass die HAA nicht nur für die Bilanz 2013, sondern auch noch für 2014 Geld braucht. Insgesamt fast 1,5 Mrd.EUR. Das sind natürlich eindeutige Gründe, weshalb man erschüttert sein sollte.

Die Österreicher können sich zu Recht verzweifelt fühlen. Anfangs wurde der Gesamtschaden der Hypo Alpe Adria  mit 20 Mrd.EUR (oder sogar mehr) beziffert. Dann waren es 4 Mrd.EUR. Und jetzt, wo man glauben konnte, dass das Thema HAA „erledigt“ sei, tauchen neue 1,5 Mrd.EUR auf. „Was ist Wahrheit?“ hätte Pontius Pilatus gefragt. So ganz ungeschickt war das jedoch nicht, denn alles, was weniger ist als die ursprüngliche Drohkulisse von 20 Mrd.EUR, kann jetzt dem Bürger als Erfolg präsentiert werden. Der brave Bürger sollte an und für sich dem Finanzminister dankbar sein, dass er wie ein Löwe gekämpft hat, um den Schaden zu reduzieren.

Wie liegen die Fakten? Aus vertraulicher Quelle erfahre ich, dass im Worst Case Scenario noch 3,6 Mrd.EUR zu den bereits bezahlten 4,8 Mrd.EUR hinzukommen. In Summe 8,4 Mrd. EUR. Das wäre die Gesamthöhe des Schadens. Eine andere Frage ist, wann dieser Schaden bezahlt wird. Wenn heuer noch 1,5 Mrd.EUR bezahlt werden, dann reduziert sich der Restschaden von 3,6 Mrd.EUR auf 2,1 Mrd.EUR. Finanzminister Spindelegger sollte doch in der Lage sein, dies den Bürgern zu erklären.

Jetzt will Finanzminister Spindelegger wie ein Löwe weiterkämpfen. Er will mit den Gläubigern der HAA, allen voran mit den Bayern, beinhart verhandeln und sie zu einem Beitrag an den Gesamtkosten zu bewegen.

Es liegt jetzt also am Freistaat Bayern bzw. an der CSU, ob sie dem Obmann ihrer österreichischen Schwesterpartei ein außergewöhnliches Erfolgserlebnis zukommen lassen möchte. So ganz abwegig ist diese Überlegung nicht, denn es kann der CSU sicherlich keine Freude bereiten, zuzuschauen, wie ihre österreichische Schwesterpartei mit ihrem Obmann den Bach runter geht. Erleichternd käme hinzu, dass nicht die CSU selbst diesen politischen Solidaritätsbeitrag leisten müsste, sondern die Bayerische Landesbank, die 1-2 Mrd.EUR sicherlich relativ unbeobachtet ‚unterbringen‘ könnte.

Es bleibt also spannend. Optimisten dürfen sich darauf freuen, dass Finanzminister Spindelegger in naher Zukunft, nach beinharten Verhandlungen mit den Bayern, vor die Presse treten wird, um einen unglaublichen Verhandlungserfolg zu präsentieren. Spindelegger selbst wird dann wie ein Phönix aus der Asche als bester ÖVP-Obmann aller Zeiten erscheinen und die ÖVP wird die Zukunft der NEOS auslöschen. Zumindest in der Phantasie des einen oder anderen Schwarzen.

Originalveröffentlichung hier.

Freitag, 21. März 2014

Wie Eine Notenbank Funktioniert

Dieser Artikel ist keine 'Geschichte aus Österreich', sondern eher eine Geschichte aus der Schweiz. Allerdings befasst sich der Artikel nicht nur mit der Schweiz, sondern mit der Frage, wie eine Notenbank funktioniert, im allgemeinen.

Im Schweizer Blog InsideParadeplatz befasst sich der Autor Dr. Marc Meyer leidenschaftlich (um nicht zu sagen fanatisch) mit der Schweizer Notenbank (SNB). Er behauptet, dass die Verantwortlichen der SNB vollkommen inkompetent sind; dass sie die Schweizer Bürger belügen; und dass das Armageddon für die Schweizer Volkswirtschaft, ausgelöst von der SNB, in Kürze stattfinden wird. Sein besonderer 'Feind' ist Prof. Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der SNB, der im November 2011 in Basel eine Rede zum Thema Braucht die Schweizer Nationalbank Eigenkapital? hielt. Dr. Meyer fordert Prof. Jordan auf, aus Anstand seinen Posten zu räumen, weil er mit seiner Rede bewiesen hat, dass er völlig inkompetent (oder sogar betrügerisch) ist.

Um Dr. Meyer besser zu verstehen, sollte man zuerst nachstehende Artikel von ihm lesen (auch die Kommentare!):

Unsere Nationalbank - jenseits der Beresina
Die SNB und das Märchen der Geldschöpfung
Unsere Nationalbank ist Volksverführern hörig
SNB ist Insolvenz einen Schritt näher

Ich habe wiederholt mit Dr. Meyer 'die Klingen getauscht', er ist jedoch nicht in der Lage, Meinungen von anderen nachvollziehen zu können. Sein letzter Artikel heißt Vollgeld-Initiative - Lachnummer mit Emil. Obwohl dieser Artikel nicht direkt mit der SNB zu tun hat, gab es in den Kommentaren wieder eine vehemente Auseinandersetzung zum Thema SNB. Mein letzter Versuch, Herrn Dr. Meyer eine alternative Sicht einer Notenbank näher zu bringen, ist unten wiedergegeben. Bitte zu beachten, dass diese Auseinandersetzung nicht nur für Spezialisten relevant ist, sondern auch für alle jene, die besser verstehen wollen, wie eine Notenbank à la Fed, EZB oder SNB funktioniert.




"Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

sofern Sie auf meine Argumentation eingehen wollen, ersuche ich Sie, sich auf die Nummerierung zu beziehen.

1) Sie interpretieren etwas in Jordan’s Rede hinein, was dort so nicht steht. Jordan verwechselt nirgendwo Fremdkapital mit Eigenkapital. Stattdessen sagt Jordan, dass die SNB mit aus dem Nichts geschöpften (und de facto kostenlosem) Geld zinstragende Aktiva aufbauen kann und dass auf diese Weise in Zukunft Ertrag, Profit und Eigenkapital für die SNB geschaffen werden (nicht auf der Stelle; nur im Ablauf der Zeit). Ich habe übrigens nicht behauptet, dass Ihre Argumentation irrwitzig ist. Irrwitzig ist Ihre Behauptung, dass Jordan gesagt habe, dass man mit Gelddrucken Eigenkapital quasi auf der Stelle schaffen kann. Das hat er natürlich nicht gesagt.

2) Ja, die SNB kann CHF aus dem Nichts schaffen; die doppelte Buchhaltung belegt es. Der Gegenposten auf der Aktivseite heißt nicht „Geld aus dem Nichts“, sondern es sind erhöhte financial assets (Wertpapiere, Kredite an Banken, Devisenreserven, etc.).

3) Ich fürchte, Sie können sich einfach nicht von Ihrer (falschen) Überzeugung lösen, dass eine Notenbank genauso funktioniert/bilanziert wie eine normale Bank. Diesen Denkfehler habe ich bis vor ein paar Jahren auch gemacht. Im Unterschied zu Ihnen habe ich meinen Denkfehler eingesehen.

4) Eine Notenbank (auch die SNB) schafft Liquidität nicht für sich selbst; sie schafft sie für die Banken. Und sie macht das via Erhöhung/Reduzierung ihrer Bilanzsumme. Axel Weber hat einmal argumentiert, dass die Bilanzsumme einer Notenbank in normalen Zeiten um die 10% des GDP sein sollte und in schwierigen Zeiten bis zu 30% steigen könnte (ich kann das nicht beurteilen). Dass die Bilanzsumme der SNB schon ca. 80% des Schweizer GDP ausmacht, gibt natürlich Anlass zum Nachdenken.

5) Eine Erhöhung der Bilanzsumme bedeutet per definitionem eine Erhöhung der Aktiva UND der Passiva. Auch das ist doppelte Buchhaltung. Sie verwenden den Ausdruck ‚Schulden‘; Sie sollten jedoch erkennen, dass Notenbankschulden Liquidität/Vermögenswerte im Markt sind. Größtenteils macht eine Notenbank die Bilanzsummenerhöhung mit gedrucktem Geld (Schulden, wenn Sie so wollen). Sie kann jedoch auch ihr Eigenkapital erhöhen und das beschreibt Jordan folgendermaßen: „Zum Wiederaufbau von Eigenkapital braucht es – nicht anders als bei privaten Unternehmen – Gewinne. Denn mit Gelddrucken kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden. Die Geldschöpfung erlaubt lediglich, den Zahlungsverpflichtungen vollständig nachzukommen“. Haben Sie diesen Satz übersehen? Es ist ein Schlüsselsatz!

6) Sie sagen – richtigerweise –, dass die SNB keine CHF-Wertpapiere hat, bestätigen jedoch damit, dass Sie meine Argumentation nicht nachvollzogen haben. Ich behaupte, dass eine Notenbank IN IHRER LANDESWÄHRUNG nicht illiquide werden kann, weil sie eben die Landeswährung drucken kann (Erhöhung Bilanzsumme). Ich habe absichtlich die Fremdwährungen abseits gelassen, weil in Fremdwährung eine Notenbank sehr wohl illiquide werden kann (weil sie eben diese Fremdwährung nicht drucken kann). Trotzdem gilt meine Argumentation auch für die Devisenpositionen der SNB: die SNB kauft(e) die Devisen mit gedruckten CHF, erhöhte dadurch Aktiva/Passiva (Bilanzsumme), allerdings mit Devisen auf der Aktivseite und CHF auf der Passivseite. Anders ausgedrückt: die SNB baute eine furchterregende long position Fremdwährung/CHF auf. Jede long/short position ist einem Bewertungs- und/oder Verlustrisiko ausgesetzt.

7) Jordan SAGT NICHT, dass die SNB mit Geldschöpfung CHF-Zahlungsverpflichtungen ‚abbauen‘ kann. Stattdessen sagt er, dass die SNB dadurch ‚ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann‘. Den Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen brauche ich wohl nicht zu erklären. Wollte oder müsste die SNB ihre Schulden/Verbindlichkeiten abbauen, dann müsste sie die Bilanzsumme reduzieren, d. h. Aktiva verwerten. Dann würde sie dem Markt CHF-Liquidität entziehen.

8) Wenn ein Anleger über Nacht 10 Mrd.CHF von einer kleineren Kantonalbank abzieht und zur UBS überweist, könnte die Kantonalbank illiquide werden. Wenn ein SNB-Anleger auf der Stelle 100 Mrd.CHF von der SNB abzieht, was macht er dann mit diesen CHF? CHF können letztendlich nur auf einem Schweizer Bankkonto liegen. Die SNB belastet das Konto von Bank A und erkennt das Konto von Bank B. Wir wären wieder bei der doppelten Buchhaltung.

9) Aus dem gleichen Grund kann die EZB in Euro nie illiquide werden.

10) Die EZB könnte insolvent werden? Insolvenz tritt ein, wenn die Passiva die Aktiva übersteigen. Es sei denn, diese Regel gilt nicht. Bei der EZB gilt sie nicht, weil Sie nirgendwo in den EZB-Statuten einen Passus finden werden, der ein positives Eigenkapital verlangt.

11) Wie ich schon oft erwähnt habe, ist das bei der SNB etwas anders, weil die SNB nicht wie eine normale Notenbank à la Fed oder EZB strukturiert ist. Jordan umschifft diesen Punkt geschickt in seiner Rede. Sie gehen nicht einmal darauf ein. Meine Meinung? Ich glaube nicht, dass die SNB einfach so ein negatives Eigenkapital fahren könnte (wegen des SNB-Gesetzes). Sie müsste wohl wieder eine Bundeshaftung bekommen.

12) Ihre (a) – (e) Punkte, mit denen sie meine Überlegungsfehler nachweisen wollen, sind einfach falsch.

13) Dass gedruckte CHF auf der Passiv- und nicht auf der Aktivseite der SNB Bilanz sind, habe ich wohl schon mehr als umfassend dargestellt. Auf der Aktivseite sind die Vermögenswerte, die die SNB mit dem gedruckten Geld kauft (Bilanzsummenerhöhung; Erhöhung CHF-Liquidität im Markt).

14) Sie faszinieren sich mit der Behauptung, dass Passiva der SNB Schulden der SNB sind. Na ja, dass Verbindlichkeiten keine Vermögenswerte sind, ist wohl keine große Überraschung!

15) Aber was sind Schulden einer Notenbank? Sie sind nichts Anderes als Aktiva jener Banken, die die Forderungen an die SNB haben. Sie haben einmal behauptet, dass die Schweizer Wirtschaft die Devisenkäufe der SNB finanziert. Wenn die SNB Devisen kauft, dann bezahlt sie dafür mit gedruckten CHF; d. h. sie bringt CHF-Liquidität in den Markt (sie erhöht ihre Bilanzsumme). SIE ZIEHT KEINE LIQUIDITÄT AUS DEM MARKT AB! (Letzteres passiert dann, wenn die SNB ihre Bilanzsumme reduziert).

16) Der Steuerzahler wird NIE für die Schulden der SNB haften müssen. Diesen Schulden stehen Vermögenswerte auf der Aktivseite gegenüber. Der Steuerzahler KÖNNTE EINMAL für ein negatives Eigenkapital haften müssen, wenn der Bund Eigenkapital nachschießen müsste. Normalerweise sind die einzigen Kosten für den Steuerzahler die Opportunitätskosten, dass er von der SNB – bei negativem Eigenkapital – keine Ausschüttung bekommt.

17) Übrigens, per 2012 war das Eigenkapital der SNB in der Tat – wie ich gesagt habe  – 10 Mrd.CHF. Sie rechnen die Rückstellungen für Währungsrisiken dem Eigenkapital zu und das ist falsch. Rückstellungen sind Verbindlichkeiten und werden aus den Erträgen gebildet. Sie dienen dazu, den net profit vor Währungsverlusten zu schützen. Es sind die Rücklagen, welche Eigenkapital sind und sie werden aus dem net profit gebildet.

18) Kurz und gut: ich meine, dass die Rede von Jordan hieb- und stichfest ist. Das, was Sie an Jordan kritisieren, ist nicht, was er gesagt hat, sondern was sie in seine Aussagen – fälschlicherweise – hineininterpretieren und/oder was Sie – fälschlicherweise – behaupten, dass er gesagt habe.

19) Nochmal: eine Notenbank steuert die Liquidität, die sie für das System schöpft, durch eine Erhöhung/Reduzierung ihrer Bilanzsumme (das erfordert die doppelte Buchhaltung). Bestes Beispiel dafür ist die Fed mit ihrem QE. Es gibt keinen Aktivposten mit dem Namen „Geld aus dem Nichts“. Stattdessen stehen auf der Aktivseite einer Notenbank i.d.R. Finanzanlagen, Kredite an Banken, Devisenreserven, etc. als Gegenbuchung für gedrucktes Geld. Die Bilanzsumme auszuweiten, ist für eine Notenbank relativ einfach. Es ist die Reduzierung der Bilanzsumme, wo es schwierig wird (siehe Fed mit tapering)".

Mittwoch, 5. März 2014

Eine Erfolgsmeldung aus der Bankenbranche!

"DZ Bank übertrumpft Deutsche Bank" meldet das Handelsblatt; ihr Gewinn für 2013 fiel doppelt so hoch aus wie beim Marktführer! Erklärung: "Steigender Wert der Staatsanleihen südeuropäischer Länder, deren finanzielle Lage sich im vergangenen Jahr gebessert hat".

Na dann!