Dienstag, 22. Juni 2021

Griechenland Boomt!

Ich bin seit 1-1/2 Jahren zum ersten Mal wieder in Griechenland und muß staunen – ich habe ein anderes Land vorgefunden als jenes, das ich im Dezember 2019 verlassen hatte. Auf den Punkt gebracht: Griechenland boomt!

Alexis Tsipras – ungeachtet des Chaos, das er vielerorts verursacht hat – hat zwei große Taten vollbracht. Erstens, nach dem (selbst verursachten) fast-Zusammenbruch Mitte 2015 hat er alles unterschrieben, was ihm die Troika vorgelegt hat. Das waren teilweise brutale Vorgaben, die ein Nicht-Linker nie hätte umsetzen können.

In Summe haben sich aber diese brutalen Maßnahmen vorteilhaft ausgewirkt und Griechenland ist heute wettbewerbsstärker als vor 5 Jahren. Und zweitens – und das ist heute von besonderer Bedeutung – Tsipras hat sich geweigert, ein Folgeabkommen mit der Troika für einen back-up Finanzierungsrahmen für die Zeit nach dem Sanierungsprogramm zu unterschreiben. Stattdessen entschied er sich für die Option von Cash Reserven und die Troika stellte als Mitgift 15 Mrd.EUR zur Verfügung.

Seither hat der Staat nach dem Motto „Schulden soll man dann aufnehmen, wenn man das Geld nicht braucht“ agiert. Er sitzt heute auf Cash Reserven von über 40 Mrd.EUR (alles mit Neuschulden finanziert) und vom EU Wiederaufbaufonds sollen in den nächsten Jahren weitere 30 Mrd. dazu kommen. Nachdem größere Tilgungen der Staatsschulden erst Anfang der 2030er Jahre wieder beginnen, ist Griechenland für die nächsten 10+ Jahre vollkommen überfinanziert und es kann zu keinen Zahlungsschwierigkeiten kommen. Premier Mitsotakis hat diese Cash Polster Politik sogar noch verstärkt: alleine im letzten Jahr stiegen die Auslandsschulden um 50 Mrd.EUR auf 500 Mrd.EUR!

Die Rating Agenturen überlegen sich angeblich, Griechenland auf Investment Grade hochzustufen. Das ist insofern interessant, weil Griechenland heute wesentlich schlechtere Eckdaten hat als noch vor 5 Jahren: die Verschuldungsquote ist auf über 200% gestiegen, das Budget (vor Corona sogar positiv) ist mittlerweile tief defizitär. Und die Leistungsbilanz, die vor 5 Jahren fast ausgeglichen war, hatte 2020 ein Defizit von 11 Mrd.EUR und dieses Defizit wird heuer sicherlich noch größer ausfallen. Als Griechenland 2010 den Sudden Stop erlebte, waren die Ziffern auch nicht schlechter.

Faktum ist jedoch, dass in den nächsten Jahren in Griechenland Geld fließen wird wie in den besten Jahren der Euro-Party. Die Euro-Party führte in den Zusammenbruch, weil das Geld unvernünftig verwendet wurde. Die Optimisten meinen, dass sich das diesmal nicht wiederholen wird, alleine schon wegen der Supervision der EU. Wir werden sehen.

Faktum ist auch, dass Griechenland seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Regierung hat, in der zumindest eine gewisse Anzahl von kompetenten Leuten sitzt. Herausragender Superstar ist für mich Kyriakos Pierrakakis, der u. a. für die Digitalisierung verantwortlich ist.

Der Mann ist ein Zauberer. Was der in der kurzen Amtszeit bereits vollbracht hat, wäre für Österreich beispielhaft. Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, dass der öffentliche Sektor seit seinem Amtsantritt durch Digitalisierung 23 Millionen Arbeitsstunden eingespart hat. Dahinter steht sicherlich eine Portion Propaganda, aber es gibt auch Fakten. Mein Nachbar schwärmt davon, dass er nicht mehr zu Ämtern gehen muß, um Sachen zu erledigen. Obwohl er nicht besonders IT-affin ist, schafft er alles am Computer. Das Projekt eines flächendeckenden Grundbuchs (ursprünglich von König Otto und seinen 3.000 bayerischen Beamten in den 1830er Jahren gestartet) soll demnächst zum Abschluß kommen und es wird digital sein. Hier ist ein kurzes Video über das Programm des Kyriakos Pierrakakis.

Wunder werden sicherlich keine geschehen. Der tägliche Alltag der Griechen mit all seiner Korruption und Steuerhinterziehung wird wohl genauso weiterleben wie der Pfusch am Bau in Österreich. Aber dort, worauf es ankommt (d. h. auf der oberen Ebene von Staatsverwaltung, Politik, Unternehmensgestion, etc.) sollte sich schon viel in eine positive Richtung verändern. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass hier ein positiver Feedback Loop entsteht und besonders könnte ich mir vorstellen, dass ausländische Investoren relativ bald sehr großes Interesse an Griechenland zeigen werden. Und mit Auslandsinvestoren kommt ja nicht nur Geld, sondern – und vor allem – Know-How.

Alles würde dafür sprechen, in griechische Bankaktien zu investieren. Der Tsunami des Cash Flows wird ja über das Bankensystem fließen und dort werden die Geschäfte blühen. Hier wird allerdings auch die Achillessehne sein. Es wird um die Mittelverwendung gehen und dass bei den Griechen plötzlich überall ökonomische Vernunft eingesetzt hat – na ja, I’ll believe it when I see it.

Originalveröffentlichung hier.

Mittwoch, 31. März 2021

Tu Infelix Austria!

Die Österreichische Beteiligungs AG (ÖBAG) ist eine Staatsholding für staatliche Unternehmensbeteiligungen. Die ÖBAG umfasst die vier börsennotierten Unternehmen VERBUND, OMV, A1 Telekom Austria, die Österreichische Post (nachstehend gereiht nach Portfoliowert) und sieben weitere Unternehmen, darunter die Bundesimmobiliengesellschaft BIG, die Casinos Austria und die APK. In diesen Unternehmen werden 135.000 Menschen beschäftigt.

Die ÖBAG wird von Herrn Mag. Thomas Schmid als Alleinvorstand geleitet. Dass eine Aktiengesellschaft von einem Alleinvorstand geleitet wird, ist eher ungewöhnlich. Das die Beteiligungen einer Staatsholding obiger Dimensionen von einem Alleinvorstand verantwortet werden, wäre nicht vorstellbar, würde es den Präzedenzfall von Herrn Mag. Schmid nicht geben. 

Die österreichische Politik beschäftigt sich nunmehr sein längerer Zeit mit dem Thema "Postenschacher in öffentlichen Positionen". Dabei wird sehr oft übersehen, dass Postenschacher ein selbstverständlicher Bestandteil der österreichischen Innenpolitik seit 1945 war (viele Jahre lang wurde dieser Postenschacher sogar schriftlich im Proporzabkommen festgehalten). Von daher ist es nicht überraschend, dass der Postenschacher nach wie vor gut funktioniert. 

Der Postenschacher um Herrn Mag Schmid herum unterscheidet sich von anderen Postenschachern dadurch, dass dessen Hintergründe durch die Veröffentlichung von Chatprotokollen des Herrn Mag. Schmid in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Diese Chatprotokolle zeigen ein Sittenbild, das man eher in einer Bananenrepublik erwarten würde als in einem Land der Ersten Welt.

Herr Mag. Andreas Hanger, ein namhafter ÖVP Abgeordneter, wurde von Armin Wolf in der ZIB2 interviewt. Dieses Interview hat mich veranlaßt, Herrn Mag. Hanger nachstehendes Email zu schreiben.


"Sehr geehrter Herr Mag. Hanger,

ich habe mir Ihr obiges Interview in der ORF Mediathek angesehen und bin verblüfft, dass Sie sich hier auf formelle Positionen zurückziehen, wenn es in Wirklichkeit um ganz etwas Anderes geht. Ich gehe einmal davon aus, dass bei dieser Affaire genügend Juristen eingeschaltet waren um zu vermeiden, dass irgendwelche formellen bzw. strafrechtlich relevanten Fehler passieren würden. Anders ausgedrückt: der Rückzug auf formelle Positionen ist nicht wirklich relevant.

Es geht hier um Respektabilität. Ist das Verhalten der betroffenen Personen so, dass man ihnen zutrauen kann, Führungspositionen in öffentlichen Strukturen zu übernehmen? Ich glaube, die Kommunikationen von Herrn Mag. Schmid sind so, dass jeder seriöse Politiker sich von ihm distanzieren sollte. Das ist kein Stil, der Vertrauen in die Politik fördert. Vielmehr: das ist ein Stil, mit dem Herr Mag. Schmid in einer Vorstandsposition in der Privatwirtschaft früher oder später scheitern würde. Ich sage das nach 35 Jahren Führungspositionen in der Privatwirtschaft in 6 Ländern. Und natürlich geht es hier nicht nur um Herrn Mag. Schmid, sondern auch um einige seiner Korrespondenten.

Kurz und gut: ich war entsetzt zu hören, dass Sie sich offenbar mit dem Stil von Herrn Mag. Schmid identifizieren können. Wie lautet das Sprichwort? „Sag’ mir, wer Deine Freunde sind und ich sage Dir, wer Du bist!“

Eine kleine Fußnote: Sie attestierten Herrn Mag. Schmid eine hervorragende Arbeit. Er sei 2 Jahre im Amt und der Vermögenswert der Staatsbeteiligungen sei um 5 Milliarden gestiegen. Herr Mag. Schmid sollte an seinen Taten gemessen werden.

Ich frage mich, wie wohl die Vorstände/Geschäftsführer der ÖPAG-Beteilungen auf diese Aussage reagiert haben. Dass Eigentümer bzw. Aufsichtsräte für den Erfolg der Unternehmen verantwortlich gemacht werden, ist zwar kreativ, aber nicht immer gesetzkonform. Zumindest bei Aktiengesellschaften widerspricht diese Aussage dem Aktiengesetz, wo die Verantwortung für das Wohl des Unternehmens dem Vorstand (und nicht dem Aufsichtsrat) zugeteilt wird. Oder hat vielleicht Herr Mag. Schmid als Aufsichtsrat in die Gebarung der Unternehmen eingegriffen?

Ich hätte mir von Ihnen erwartet, dass Sie sich vom Still des Herrn Mag. Schmid distanzieren. Da Sie das nicht getan haben, muß ich davon ausgehen, dass Ihr Stil ähnlich ist und auch dem neuen Stil der ÖVP entspricht. Somit sind Sie und die ÖVP für mich nicht mehr wählbar.

Freundliche Grüße"

In der Geschichte Österreichs wird oft die Aussage "Tu felix Austria..." zitiert. In diesem Fall kann man nur sagen "Tu infelix Austria!"

Mittwoch, 10. Februar 2021

Pandemie - Protektionismus - Globalisierung

Das Austrian Institute of Economics and Social Philosophy hat einen Artikel von Stefan Beig mit dem Titel "In einer Pandemie schützt nicht der Protektionismus, sondern die Globalisierung" veröffentlicht, der mich veranlaßt hat, nachstehende Stellungnahme abzugeben.


Zitat

Als überzeugter Wirtschaftsliberaler fühle ich mich immer gefordert, wenn ich Artikel von Wirtschaftsliberalen lese, die einseitig bzw. nicht ausreichend differenziert sind und somit beste Gegenargumente für Planwirtschaftler bieten. Der Artikel von Herrn Stefan Beig ist ein Bespiel dafür. Typischer Satz: "Klar ist auch: Jeder kauft Güter zuerst dort, wo sie – bei gleicher Qualität – am günstigsten sind.

Das ist auf der Mikro-Ebene sehr vernünftig und plausibel. Auf der Marko-Ebene kann es auch vernünftig und plausibel sein, es kann aber auch extrem destruktiv werden. Freihandel, Gobalisierung, multi-nationale Lieferketten, etc. - das klingt alles sehr gut und kann auch in der Tat zu vermehrtem Wohlstand für alle Beteiligten führen, oder auch nicht. Der Wohlstand für alle Beteiligten wird nur dann nachhaltig gemehrt, wenn Freihandel, Globalisierung, multi-nationale Lieferketten über längere Zeiträume hinweg einigermaßen ausgeglichen sind. Wenn sich über längere Zeiträume strukturelle Ungleichgewichte entwickeln, dann wird es problematisch für alle Beteiligten.

Es geht natürlich nicht nur um den grenzüberschreitenden Handel mit Waren, sondern auch um jenen mit Dienstleistungen. Anders ausgedrückt: die Handelsbilanz ist wichtig, die Leistungsbilanz ist jedoch noch viel wichtiger. 

Global betrachtet ist die Leistungsbilanz ein Null-Summenspiel, d. h. Überschüsse und Defizite gleichen sich aus. Daraus ergibt sich folgender kritischer Punkt: die Überschüssler mögen sich über ihre Überschüsse freuen, sie sollten jedoch verstehen, dass sie unweigerlich - vielleicht sogar, ohne sich dessen bewußt zu sein - mit ihren Überschüssen die Defizitler finanzieren müssen. Ganz abgesehen davon, dass die Jobs - etwas vereinfacht ausgedrückt - bei den Überschüsslern sind und nicht bei den Defizitlern. Dass die deutsche Volkswirtschaft  - gemäß der Berechnung einer US Investment Bank - in den ersten 3 Jahren nach der Finanzkrise 2008 knapp 500 Mrd.EUR an Auslandsvermögen verloren hat, ist den Bürgern Deutschlands wahrscheinlich nicht bewußt, weil die Verluste nicht auf der Ebene des Staates, sondern darunter entstanden sind (Banken, Versicherungen, Konzerne). Dass die Jobs im amerikanischen Rust Belt nach Fernost wanderten, führte zur Präsidentschaft von Donald Trump.

In der Theorie ist alles ganz klar: jedes Land entwickelt seine eigenen comparative advantages und finanziert das, was es importiert, mit dem, was es exportiert. Und wenn diese Gleichung nicht aufgeht, dann erfolgt die Anpassung via den Wechselkurs. 

In der Praxis funktioniert diese Anpassung sehr oft nicht mehr. Vor allem funktioniert sie nicht mehr für die Mitglieder der Währungsunion, wo der Euro für Deutschland zu billig und für Griechenland zu teuer ist. Griechenland ist übrigens ein sehr gutes Beispiel, wo ich meine eigene wirtschaftsliberale Überzeugungen testen mußte.

Rückblickend behaupte ich, dass das griechische Drama nicht mit dem Euro begonnen hat, sondern mit dem Beitritt Griechenlands zur EU im Jahr 1981. Mit diesem Beitritt eröffneten sich quasi über Nacht 4 Freiheiten für Griechenland, wobei die griechische Volkswirtschaft für 2 dieser 4 Freiheiten absolut nicht gerüstet war - die Freiheiten des Waren- und Kapitalverkehrs. Die Freiheit des Warenverkehrs erlaubte den Griechen auf der Mikro-Ebene über Nacht die besten Güter zum besten Preis überall in der Welt einzukaufen. Auf der Makro-Ebene stellte sich heraus, dass es diese Güter leider nur außerhalb von Griechenland gab. Und finanziert mußten diese Importe nicht mit Exporten werden, weil der freie Kapitalverkehr mehr als ausreichend Kapital ins Land brachte. Wie schon gesagt, eine hervorragende Sache für alle Griechen auf der Mikro-Ebene, ein Desaster für das Land auf der Makro-Ebene. Griechenland wurde zur Drehscheibe für Geld: auf der einen Seite kam Geld ins Land in der Form von Krediten, auf der anderen Seite verließ Geld das Land in der Form von Leistungsbilanzdefiziten. Die Binnenwirtschaft ging dabei über weite Strecken zu Grunde. Auf solche Fehlentwicklungen muß eine differenzierte Betrachtung von Protektionismus-Globalisierung hinweisen, um nicht den Planwirtschaftlern Gegenargumente zu liefern.

Es wurde und wird immer wieder - leider sehr undifferenziert - argumentiert, dass freier Handel und Kapitalverkehr automatisch zu Wohlstandsvermehrung aller Beteiligten führen, weil jedes Land die Stärken seiner eigenen Volkswirtschaft entwickelt. Das hat sicherlich für Österreich gegolten. Mit dem EU Betritt und vor allem mit dem späteren Euro-Beitritt wurde die österreichische Wirtschaft in der Tat bis an ihre Grenzen getestet und sie hat sich wunderbar erfolgreich angepaßt. Man darf aber nicht vergessen, dass Österreich eine Wirtschaftskultur hat, die sich von beispielsweise jener Griechenlands völlig unterscheidet. Außerdem hatte Österreich einmal einen Finanzminister Androsch, der schon früh die Weichen für die spätere Anpassungsfähigkeit gestellt hatte. Griechenland hatte keinen solchen Finanzminister und schon gar nicht eine Wirtschaftskultur, die auf globale Anpassungserfordernisse vorbereitet war. Solche Aspekte müssen immer berücksichtigt werden, bevor man blind freiem Handel und Kapitalverkehr das Wort redet.

In der heutigen globalen Wirtschaft steht ein Elefant im Raum, ohne den diese globale Wirtschaft in der jetzigen Form gar nicht funktionieren könnte. Ich spreche von der US Volkswirtschaft, die nun schon seit 3-4 Jahrzehnten Jahr für Jahr gigantische Leistungsbilanzdefizite registriert. Die Leistungsbilanzdefizite der USA stellen im Verhältnis 1:1 Leistungsbilanzüberschüsse im Rest der Welt dar. Anders ausgedrückt: die USA betreiben - bewußt oder unbewußt - schon seit Jahrzehnten ein massives cross-border deficit spending für den Rest der Welt. Das Defizit der USA trägt maßgeblich zu Wachstum und Wohlstand im Rest der Welt bei. 

Dies kann nur deshalb funktionieren, weil die USA das privilège exorbitant genießen, sich in einer Währung verschulden zu können, die sie selbst drucken können und die die maßgebliche Reservewährung ist. Gleichzeitig sind die USA ein hoch interessanter Standort für Investitionen aus aller Welt. Die USA überfluten den Rest der Welt mit Dollar als Bezahlung für ihre Leistungsbilanzdefizite und die Wall Street erfindet die Anlageprodukte, um diese Dollar wieder zurückzuholen. Yanis Varoufakis hat darüber einmal ein Buch geschrieben („The Global Minotaour“), ein Buch, das nur deswegen Erfolg haben konnte, weil Fehlentwicklungen im freien Handel und Kapitalverkehr die passenden Gegenargumente dazu lieferten.

Der US Präsidentschaftskandidat Ross Perot prophezeite im Wahlkampf 1992, dass man einen „giant sucking sound of jobs leaving the country“ hören würde, wenn die USA auf Dauer Leistungsbilanzdefizite registrieren würden. Warren Buffett hat zu diesem Thema einmal die Parabel „Thriftville versus Squanderville“ geschrieben. Buffett kennt sich mit Bilanzen aus. Er bezeichnet das US Leistungsbilanzdefizit bilanztechnisch als eine „reduction of national net worth“. In der Zahlungsbilanz erkennt man es daran, dass sich die USA in den letzten 3-4 Jahrzehnten vom größten Kreditgeber zum größten Schuldner der Welt gewandelt haben.

Das blinde Vertrauen in freien Handel und Kapitalverkehr hat dazu geführt, dass heute die globale Wirtschaft darauf basiert, dass ein Player, noch dazu der größte Player (die USA) grenzüberschreitend weit über seine Verhältnisse leben kann und damit Wachstum und Wohlstand im Rest der Welt vorantreibt. Die Ungleichgewichte haben gigantische Ausmaße erreicht. Faktum sollte jedoch sein, dass ein System, das darauf basiert, das der größte Marktteilnehmer offenbar grenzenlos über die eigenen Verhältnisse leben kann, auf Dauer nicht wirklich funktionieren wird. 

All das sind Überlegungen, die bei einer differenzierten Betrachtung von Protektionismus-Globalisierung nicht fehlen sollten.

Ende Zitat

Gratis FFP2 Masken - Eine Farce!

Am 11. Dezember 2020 wurde im Nationalrat beschlossen, alle Österreicher über 65 mit jeweils 10 Stück FFP2 Gratismasken zu versorgen. In Summe soll es sich um rund 1,7 Millionen Menschen handeln. Der Versand sollte noch vor Weihnachten stattfinden. Später wurde der Termin auf 15. Jänner verschoben. 

Heute, 2 Monate danach, ist erst die Hälfte dieser Masken eingegangen. Was kann man daraus folgern?

Grundsätzlich kein Problem für den Bürger, weil er/sie schon seit Wochen überall günstige FFP2 Masken kaufen kann bzw. die Masken da und dort auch geschenkt bekommt. Soweit zum Grundsätzlichen.

In Wirklichkeit ist das ein Beispiel größter Inkompetenz eines Staates! In Zeiten, wo täglich Millionen von FFP2 Masken gehandelt werden, ist die Republik nicht in der Lage, 1,7 Millionen FFP2 Masken innerhalb von 2 Monaten aufzutreiben. Will da vielleicht noch jemand argumentieren, es wäre besser gewesen, Österreich hätte den Corona Impfstoff selbst gekauft statt via die EU?

Eine Farce aus dem Textbuch!

Mittwoch, 3. Februar 2021

ECDC - "FFP2 Masken haben geringen Mehrwert"

ECDC steht für die EU Agentur European Center for Disease Prevention and Control. Medienberichten zur Folge hat die ECDC eine Stellungnahme zu FFP2 Masken abgegeben, die folgende Schwerpunkte enthält:

* FFP2 Masken haben einen sehr geringen Mehrwert für die Gesellschaft.

* Die potenziellen Kosten und Schäden (von FFP2 Masken) rechtfertigen keine Empfehlung für ihre Verwendung in der Öffentlichkeit anstelle von anderen Arten von Masken.

* Das Auftreten neuer SARS-CoV-2-Varianten erfordert keine anderen Arten von Masken als jene, die bereits in Verwendung sind.

Die ECDC ist eine Agentur der EU, der gleichen EU, die in sogenannten Komitees für die Standardisierung von Normen die Regeln für gewisse Produkte festlegt. In der Europäischen Norm EN 149:2001+A1:2009 (filtrierende Halbmasken zum Schutz gegen Partikel) werden beispielsweise die Regeln für FFP2 Masken festgelegt. U. a. wird eine Filtrierung von Aerosolen von mindestens 94% verlangt. 

In wieweit andere Arten von Masken Schutz für Dritte bieten, ist nirgendwo empirisch nachgewiesen. Um das zu tun, müßte man vorher einmal definieren, was mit anderen Arten von Masken gemeint ist. Es scheint jedoch gesichertes Wissen zu sein, dass andere Arten von Masken gar keinen oder nur sehr geringen Selbstschutz bieten. Mit einer Filtrierung von Aerosolen von mindestens 94% bieten jedoch FFP2 Masken ein sehr hohes Ausmaß von Selbstschutz.

Die Stellungnahme der ECDC verbreitet Verunsicherung zur Unzeit. So wie die Stellungnahme in den Medien zitiert wird, ist sie nicht schlüssig. Zum Beispiel:

* Wenn man einen nur sehr geringen Mehrwert für die Gesellschaft zitiert, dann sollte man erklären, was dieser Mehrwert ist, wie er gemessen wird und weshalb er als gering eingestuft wird (gering im Vergleich wozu?). 

* Wenn man potenzielle Kosten und Schäden von FFP2 Masken zitiert, dann sollte man erklären, was diese potentiellen Kosten und Schäden sind und wie hoch sie sind.

* Wenn diese potenziellen Kosten und Schäden keine Empfehlung für die Verwendung von FFP2 Masken in der Öffentlichkeit anstelle von anderen Arten von Masken rechtfertigen, dann sollte man erklären, was man unter anderen Arten von Masken versteht.

* Wenn die neuen SARS-Cov-2 Varianten keine anderen Arten von Masken als jene, die bereits in Verwendung sind, erfordern, dann sollte man erklären, was diese anderen Arten von Masken sind.

Eine EU Agentur, die zur Unzeit mit pauschalen Verurteilungen Verunsicherung in der Bevölkerung verursacht, sollte gezwungen werden, Rechenschaft über ihre Vorgangsweise abzugeben.

Dienstag, 5. Januar 2021

Gratis FFP2 Masken Sind Da!

Heute kamen mit der Post 5 Stück gratis FFP2 Masken als Geschenk der Republik Österreich. Danke!

Es handelt sich um eine Maske mit der Bezeichnung "Samding B13086", hergestellt von der Firma Samding Craftwork CO., LTD. in Dongguan City, China. Sie weist folgende Konformität aus: "DIN EN 149:2001+A1:2009:2019". Das Prüfzertifikat lautet "CE 2163" und steht für die Firma Universal Uygunluk Degerlendirme Hizmetleri ve Tic. A.Ş. in Istanbul. Somit entspricht die Maske sämtlichen EU Vorschriften für FFP2 Masken. Vertrieben wird die Maske in Österreich von der KSR Group GmbH in Gedersdorf bei Krems.

Welche Alternativen hätte die Republik Österreich für den Einkauf solcher Masken?

Die Hygiene Austria, eine Lenzing/Palmers Joint Venture, stellt auch FFP2 Masken her, die den EU Vorschriften zur Gänze entsprechen. Hergestellt werden diese Masken in Österreich. Zertifiziert werden sie von der GÉPTESZT Termelőeszközöket Felülvizsgáló és Karbantartó Kft. in Budapest (CE 2233). Vertrieben werden die Masken direkt von der Hygiene Austria.

Die deutsche Firma IMSTec GmbH stellt unter der Marke Bluebec FFP2 Masken her, die den EU Vorschriften zur Gänze entsprechen. Hergestellt werden diese Masken in Deutschland. Zertifiziert werden sie von der deutschen DEKRA (CE 0158). Vertrieben werden die Masken von der Firma Atemschutzmasken-Vertrieb. 

Die deutsche Firma Vock Medical stellt unter der Marke Fackelmann FFP2 Masken her, die den EU Vorschriften zur Gänze entsprechen. Hergestellt werden diese Masken in Deutschland, Zertifiziert werden sie von der deutschen DEKRA (CE 0158). Vertrieben werden die Masken von der Firma Fackelmann GmbH & Co. KG.

Die Frage stellt sich schon, weshalb die Republik Österreich Masken in China kauft und die in der Türkei zertifiziert werden, wenn es Alternativen gibt, die für den österreichischen Konsumenten wahrscheinlich vertrauenserweckender sind. Kurios ist, dass sich der österreichische Hersteller Hygiene Austria seine Masken in Ungarn zertifizieren läßt und nicht vom renommierten ÖTI - Institut für Ökologie Technik und Innovation GmbH in Wien.

Wer mit keinem fremdsprachigen Partner zu tun haben möchte, sollte für FFP2 Masken deutscher Herstellung und mit deutscher Zertifizierung setzen.

Es sieht so aus, als hätte die Republik Österreich vor allem auf billig gesetzt.

Terminwunsch Bei Dr. Clemens Martin Auer, Sonderbeauftragter Für Gesundheit

Gestern schickte ich folgendes Schreiben an Dr. Clemens Martin Auer, Sonderbauftragter für Gesundheit im österreichischen Bundesministerium für Gesundheit:


"Sehr geehrter Herr Dr. Auer,

Ihrem Interview im heutigen Ö1-Mittagsjournal habe ich entnommen, dass Österreich bereits rund 60.000 Dosen Biontech/Pfizer lagernd hat und dass diese Woche noch weitere 60.000 Dosen dazukommen. Dieser sehr große Vorrat an Impfstoff wird diese Woche nicht verimpft bzw. nicht gebraucht.

Vor diesem Hintergrund beantrage ich hiermit, dass Sie mir einen Termin nennen, wo und wann ich mich diese Woche impfen lassen kann. Mein Alter ist 72 und ich habe eine Vorerkrankung (Nierenkarzinom). Ich kann innert 5 Stunden zu jedem von Ihnen vorgeschlagenen Impfstandort in Österreich kommen.

Ich betrachte mich als sehr gefährdet, was eine mögliche Corona-Ansteckung betrifft. Vor diesem Hintergrund könnte ich nicht nachvollziehen, dass mir die Behörde einen Schutz, den Sie mir geben könnte, vorenthält, obwohl er diese Woche von niemandem gebraucht wird. 

In Erwartung Ihrer Rückantwort verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen."


Mit einer Rückantwort rechne ich realistischerweise nicht.

Montag, 4. Januar 2021

Sag' Mir, Wo Die FFP2 Masken Für Senioren Geblieben Sind!

Am 11. Dezember 2020 wurde im Nationalrat beschlossen, alle Österreicher über 65 mit jeweils 10 Stück FFP2 Gratismasken zu versorgen. In Summe soll es sich um rund 1,7 Millionen Menschen handeln. Der Versand sollte noch vor Weihnachten stattfinden. Per heute ist nicht bekannt, ob schon irgendjemand eine dieser FFP2 Masken erhalten hat. Angeblich soll nun der Versand bis 15. Jänner erfolgen.

Sagt mal, liebe Regierungsverantwortlichen - geht's noch?

Die namhaften österreichischen Firmen Lenzing und Palmers hatten rasch auf die 1. Welle im Frühjahr reagiert und eine Maskenproduktion aufgebaut. Schon seit Monaten werden beim diesbezüglichen Lenzing/Palmers Joint Venture, Hygiene Austria LP GmbH (HA), zertifizierte FFP2 Masken in großen Stückzahlen hergestellt. 

Vor einigen Monaten klagte HA, dass der österreichische Staat Masken aus China kauft statt von HA, weil die chinesischen Masken billiger sind. HA war gezwungen, sich Abnehmer außerhalb von Österreich zu suchen.

Nun würde der Laie vermuten, dass der österreichische Staat aufgrund der Dringlichkeit alle diese 1,7 Millionen FFP2 Masken bei HA bestellen würde. Nicht nur um die Kaufkraft in Österreich zu halten, sondern auch um dieser FFP2 Maske das Gütesiegel der Republik zu aufzusetzen. Selbst wenn HA dieses Volumen alleine nicht bewältigen könnte, gäbe es genügend Hersteller in Deutschland, die FFP2 Masken in Stückzahlen von 100.000 kurzfristig liefern können. Man müßte sich nur etwas umhören, statt darauf zu warten, dass China neue Masken schickt.

Es staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, was hier wohl geschehen ist. Und alle wundern sich, dass es seitens der Regierung keine plausible Erklärung dafür gibt!

Samstag, 2. Januar 2021

Österreich - Ein Impfparadies!

Im Jahr 2019 ließen sich - laut Informationen des Gesundheitsministeriums - nur 8% der Österreicher gegen die Influenza impfen. Für 2020 wurde seit Jahresanfang das Ziel verkündet, diesen Prozentsatz auf mindestens 20% zu erhöhen. Der Laie würde davon ausgehen, dass man entsprechend mehr Impfstoff kaufen würde.

Die Impfstoffverfügbarkeit war von Bundesland zu Bundesland verschieden. In Wien gab es angeblich ausreichend Impfstoff. In Oberösterreich hingegen gab es für Privatpersonen zunächst einmal fast gar keinen Impfstoff. Im Oktober konnte man sich bei Hausärzten und Apotheken auf Wartelisten setzen lassen, Impfstoff gab es jedoch keinen. Im November gab es sporadisch Impftermine bei einzelnen Bezirkshauptmannschaften, aber in den meisten Fällen war der verfügbare Impfstoff schon nach 1 Stunde verbraucht. Noch Ende November war die Auskunft einer Bezirkshauptmannschaft: "Wir haben keinen Impfstoff und wir haben auch keinerlei Information, wann - und ob überhaupt - noch Impfstoff kommen wird."

Am 7. Dezember erhielt ich folgende Auskunft vom Sozialministerium: "Wir gehen davon aus, dass es vor dem Hintergrund der nun detailliert bekannten Situation in den kommenden Wochen noch zu einer Umschichtung von Impfstoffdosen und damit auch zu einer Entspannung der Situation am Privatmarkt kommt. Sollten Sie bei der gewünschten Anlaufstelle keinen Impfstoff erhalten, wird empfohlen, das Vorhandensein alternativer Impfangebote, wie beispielsweise am Arbeitsplatz oder über öffentliche Impfstellen zu prüfen." Das war sehr hilfreich. Ab Mitte Dezember schien sich dann die Situation zu entspannen.

Mitte Dezember verkündete Bundeskanzler Kurz, dass man noch im Dezember rund 10.000 Corona-Impfdosen von Biontech/Pfizer bekommen würde. In weiterer Folge: 240.825 Dosen im Jänner, 331.500 Dosen im Februar und 375.375 Dosen im März. In Summe würden also - laut Bundeskanzler Kurz - bis Ende März rund 957.700 Dosen zur Verfügung stehen.

Aktueller Stand der Dinge ist mittlerweile, dass es bis Ende März nur rund 150.000 Dosen sein werden. Mehr als ein nur geringfügiger Unterschied! Man kann nur hoffen, dass hier ein Mißverständnis vorliegt.

Wenn man Gesundheitsminister Anschober bei Pressekonferenzen zuhört, würde man nie auf den geringsten Gedanken kommen, dass nicht alles mehr oder weniger perfekt abläuft. Sollte sich die Situation bei den Coronaimpfstoffen in der Tat so negativ entwickeln wie oben dargestellt, dann wäre es wohltuend, wenn Gesundheitsminister Anschober einmal vor die Kameras treten würde mit der Ansage: "Es tut uns fürchterlich leid, aber wir haben hier Mist gebaut."